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ICEP-Projekt 32
Guatemala: Bessere Bildung, längerer
Schulbesuch
In vielen ländlichen
Gemeinden Guatemalas schicken Eltern ihre Kinder nicht
in die Schule, weil sie – mit einigem Grund
– vom Wert und Nutzen des Unterrichts nicht
überzeugt sind. Eine Schulreform bietet nun den
gesetzlichen Rahmen, das Mitspracherecht der Eltern
im Schulalltag zu verankern und die Qualität
der angebotenen Bildung zu heben.

Guatemalas Bildungssituation ist eine der schlechtesten
Lateinamerikas. Das bestätigte der Bericht „Education
for all“ der UNESCO 2004: Die Alphabetisierungsrate
ist mit 60 Prozent Analphabeten niedrig, die Zahl
der Schulabbrecher liegt bei der Hälfte der Schulanfänger.
In ländlichen Gegenden zeigt sich die Situation
in verschärfter Weise. Dies nicht nur wegen des
spärlichen Schulangebots, sondern auch wegen
der geringen Wertschätzung der Eltern für
den angebotenen Unterricht. Dafür gibt es Gründe:
Zum Einen waren die Lehrpläne bis vor kurzem
zentral formuliert, die Inhalte gingen an den Bedürfnissen
der ländlichen Bevölkerung vorbei. Zum anderen
waren die Lehrkräfte nicht in der Lage, diese
Defizite zu kompensieren und den Eltern die Bedeutung
des Unterrichts zu vermitteln. Somit bleibt die Mehrheit
der Kinder zumindest zeitweise der Schule fern, in
erster Linie die Mädchen. Die daraus sich ergebende
Perspektivenlosigkeit bewegt viele Landbewohner dazu,
in die Stadt abzuwandern, in der Hoffnung auf ein
besseres Leben, welches meist aber nicht gefunden
wird.
Durch eine Reform des öffentlichen Schulsystems,
die erst kürzlich durchgeführt wurde, wurde
die Autonomie der Schulen erweitert. Es ist ihnen
nun freigestellt, ihre administrativen Strukturen
an die vorhandenen Bedürfnisse anzupassen, ebenso
die Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien.
Hier setzt das Projekt an. Ziel ist es, öffentliche
Grundschulen in bis zu fünfunddreißig ausgewählten
Gemeinden strukturell zu festigen und die Bidlungsinhalte
unter Einbeziehung der Eltern an die Bedürfnisse
der Bevölkerung anzupassen und zu verbessern.
Ein wesentlicher Punkt dabei ist die Einbeziehung
der Eltern, die letztendlich dafür sorgen, dass
die Kinder in die Schule gehen.
Die konkreten Projektziele lauten:
Bis 2008 werden 300 Lehrer
pädagogisch und didaktisch ausgebildet, mit Rücksicht
auf die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung.
1000 Elternteilen wird
der Nutzen von Schulbildung näher gebracht. Die
Eltern werden geschult, ihre Wertvorstellungen zu
artiklieren und in den Erziehungsprozess einzubringen.
800 von den 1000 Elternteilen
werden gemeinsam mit Lehrern und Administratoren aktive
Mitglieder von Schulkomitees.
Die Lehrkräfte lernen
im Rahmen eines „Training on the Job“,
neue Lehrmethoden und -materialien anzuwenden und
erreichen damit bis zum Projektende 2008 10.000 Schüler.
90 Prozent der neu gegründeten
Schulkomitees werden miteinander vernetzt, um in Zukunft
Erfahrungen auszutauschen und Unterrichtsinhalte,
Lehrmethoden und Materialen weiterzuentwickeln.
Die Rate der Schulabbrecher wird um 50 Prozent gesenkt.
Das kommt vor allem Mädchen und Frauen zugute
– jene Gruppe, in der die Anzahl der Schulabbrecher
bisher am höchsten war. Erfahrungen zeigen, dass
Mädchen und Frauen mit Schulabschluss besser
für ihre Kinder sorgen, was Gesundheit, Ernährung,
Hygiene und Erziehung anlangt. Langfristig wird das
Projekt auch dazu beitragen, die Abwanderung vom Land
in die Städte zu verringern, da es Voraussetzungen
dafür schafft, dass wirtschaftliche Entwicklung
auch am Land in Gang kommt.
© ICEP 2006
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