ICEP-Projekt 51
Guatemala: Nachhaltige Formen
der Einkommensgenerierung für Kleinbauerngruppen
Die Kleinbauern
im westlichen Hochland Guatemalas leben in bitterer
Armut. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit sind
sie nahezu ausschließlich auf die Landwirtschaft
angewiesen. Aufgrund der winzigen Anbauflächen
wird häufig versucht, die Erträge durch
intensive
Bewirtschaftung zu steigern. Dies verstärkt allerdings
auf Dauer die Bodenerosion, was in einer niedrigeren
Produktivität und höheren Anfälligkeit
bei extremen Wetterbedingungen resultiert. Im Rahmen
des Projekts werden Kleinbauerngruppen mit nachhaltigen
land-wirtschaftlichen Methoden vertraut gemacht und
in grundlegendem unternehmerischen Know-how geschult.
Dabei wird besonders auf die Zusammenarbeit der Bauern
in Gruppen gesetzt. Die Stärkung genossenschaftlicher
Strukturen ermöglicht überdies eine verbesserte
Ver-netzung der Bauern, gemeinsame Vermarktungsformen
sowie den Zugang zu Mikrofinanz.
Das westliche Hochland
von Guatemala gilt als das Armenhaus des Landes. Die
Arbeitslosigkeit liegt bei über 70% und rund
85% der Bevölkerung leben von weniger als 2 USD
pro Tag. Der Großteil der Bevölkerung ist
auf die Landwirtschaft angewiesen. Aufgrund von Naturkatastrophen
wie Hurricans oder Trockenperioden sind die Ernteerträge
und das damit verbundene Einkommen jedoch starken
Schwankungen ausgesetzt. Auch starke Preisfluktuationen,
wie etwa der scharfe Preisverfall aufgrund des höheren
Angebots nach der Erntezeit, treffen die Bauern mit
voller Wucht. Überdies ist die durchschnittliche
bewirtschaftete Fläche pro Familie mit weniger
als 0,3 ha sehr klein und wird daher in der Hoffnung
auf höhere Erträge sehr intensiv bewirtschaftet.
Überdüngung und ungeeignete Bewässerungsmethoden
sowie der Anbau wenig diversifizierter Produkte führen
allerdings zu einer starken Bodenerosion, die sich
negativ auf die Produktivität auswirkt. Zu mangelndem
Wissen über nachhaltige Anbaumethoden kommt überdies
eine sehr schwache genossenschaftliche Organisation
der Kleinbauern. Eine funktionierende Institution,
welche als Puffer bei extremen Preisschwankungen dient
und die Interessen ihrer Mitglieder bündelt,
fehlt nahezu gänzlich. Probleme werden im Alleingang
zu bewältigen versucht und der Zugang zu Know-how,
innovativeren Technologien sowie Kapital wird den
Bauern der Region somit zusätzlich erschwert,
wodurch sie weiterhin im Kreislauf der Armut gefangen
bleiben.

Im Rahmen des zweijährigen
Projekts werden Kleinbauerngruppen in vier Dorfgemeinschaften
gestärkt und können durch den Zugang zu
notwendigem Know-how und Kapital ihre landwirtschaftlichen
Methoden nachhaltig optimieren und so ihre eigene
Einkommens-situation verbessern sowie gleichzeitig
den Druck auf das lokale Ökosystem reduzieren.
Dies führt einerseits zu einer Steigerung des
Lebensstandards der Bauern, andererseits werden die
meist an steilen Berghängen gelegenen Böden
durch eine nachhaltige Bewirtschaftung weniger anfällig
für Murenabgänge und Erdrutsche und das
Risiko großer Ernteausfälle etwa bei extremen
Niederschlägen wird dadurch gesenkt. Eine Stärkung
landwirtschaftlicher Kooperativen ermöglicht
den Bauern, gemeinsame Lösungsansätze für
Probleme zu entwickeln, an denen sie einzeln scheitern
würden.

Durch einen Ausbildungsansatz, der partizipative Gruppentrainings,
den Einsatz von Modell-Bepflanzungen sowie individuelle
Beratungen umfasst, soll das Know-how der Kleinbauern
über innovative landwirtschaftliche Methoden
verbessert werden. Im Rahmen der Trainings, die Inhalte
wie nachhaltige Bewässerung- und Bewirtschaftungsmethoden,
Auswahl geeigneter Pflanzen oder Formen biologischen
Landbaus vermitteln, wird gleichzeitig die Bildung
von Bauerngruppen gefördert. Diese haben sich
im Lauf von Vorgängerprojekten als sehr effektiver
Ansatz erwiesen: Die Bauern unterstützen sich
somit gegenseitig, ihre Produktions-methoden optimal
an die lokalen ökologischen Bedingungen anzupassen.
Weiters werden sie im Rahmen von Gruppentrainings
in unternehmerischem Basiswissen geschult –
dieses umfasst etwa die Führung eines Kassabuchs,
einfache Einnahmen-Ausgaben-rechnung, Sparen und Kredit.
Dabei wird auch der Zusammen-schluss der Bauern in
genossenschaftlichen Verbänden gefördert
bzw. die Strukturen bereits bestehender Kollektiven
gestärkt. So werden überdies Formen der
kollektiven Vermarktung oder die Einrichtung von Mikrokreditfonds
zugunsten der Kleinbauern ermöglicht. Im Rahmen
des Projekts werden die Kooperativen diesbezüglich
entsprechend geschult. Schließlich wird ein
revolvierender Fonds eingerichtet, durch welchen Kleinbauern-gruppen
der Zugang zu Finanzierung für unternehmerische
Initiativen eröffnet wird.

Konkrete Projektziele
Konkret zielt das Projekt auf eine Verbesserung
der landwirtschaftlichen Produktion und Produktivität
von mind. 400 Kleinbauernfamilien sowie auf die Stärkung
der Kapazitäten von mind. 7 Kleinbauerngenossenschaften
ab. Ein revolvierender Fonds wird Mikrofinanzierung
in Form von Dorfbanken für Kleinbauerngruppen
bereitstellen. Am Ende des Projekts werden:
70% der Bauernfamilien
ihre Produktion diversifiziert und mindestens drei
neue landwirtschaftliche Methoden eingeführt
haben.
die Begünstigten
des Projektes ihr durchschnittliches Einkommen um
mindestens 20% gesteigert haben.
7 genossenschaftliche
Initiativen wurden aufgebaut bzw. strukturell gestärkt.
Aus dem revolvierenden
Fonds wurden 10 Dorfbanken zur Förderung unternehmerischer
Projekte eingerichtet, deren Rückzahlungsrate
bei 95% liegt.
Bei einer durchschnittlichen Anzahl von 5 Mitgliedern
pro Kleinbauernfamilie profitieren somit rund 2.000
Menschen direkt von dem Projekt. Geschätzte weitere
1.000 Menschen werden durch die im Bereich der landwirtschaftlichen
Produktion oder Vermarktung geschaffenen Arbeitsplätze
indirekt durch das Projekt begünstigt.
© ICEP 2008
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