|
Las Gravileas: Kunsthandwerk
produzieren & verkaufen
Die Keramikherstellung
gehört zu den traditionellen Handwerken Guatemalas.
In ihr kommt das besondere Farb- und Formempfinden
der indigenen Kultur besonders zum Ausdruck. Vor dem
Projekt verfügte das Ausbildungszentrum Las Gravileas
zwar über einen Brennofen, nicht aber über
die passenden räumlichen Voraussetzungen, um
eine Ausbildung in Keramikproduktion zu starten. ICEP
ermöglichte die Errichtung eines Keramiklehrtrakts.
Zusätzlich sollte das Projekt helfen, die Eigenfinanzierung
des Projektpartners durch eine Vermarktungsstrategie
für die in Las Gravileas hergestellten Produkte
deutlich zu verbessern.

Las Gravileas:
günstig gelegen
Las Gravileas liegt in Sta. Catarina Boba-dilla,
einem kleinen Dorf im Bezirk Sacatepéquez im
zentralen Hochland Guatemalas, nicht weit außerhalb
der Bezirkshauptstadt Antigua, der einstigen Hauptstadt
Guatemalas. Antigua ist die touristische Hauptattraktion
Guatemalas, wovon auch Las Gravileas profitieren kann:
Eine gut geführte Caféteria mit angeschlossenem
Verkaufsshop soll speziell Touristen ansprechen.
Zukunft für
die Ärmsten
Das „Centro de Capacitación
para la mujer artesana Las Gravileas” fördert
seit zehn Jahren die soziale und finanzielle Selbstständigkeit
von Frauen ab dem Alter von 15 Jahren aus den ärmsten
Bevölkerungsschichten. Die praktisch ausschließlich
indigenen Frauen kommen aus Ortschaften aus der Umgebung.
Sie legen bis zu zwei Stunden Fußmarsch zurück,
um nach Las Gravileas zu gelangen. Dort lernen sie
oft zunächst schreiben und rechnen. Der Schwerpunkt
des Angebots liegt aber auf einer bunten Palette von
Berufsausbildungsprogrammen: Die Frauen nähen,
sticken, weben, stellen Kunstblumen und Papierpuppen,
Bäckereien und Obstgelees her, restaurieren Gegenstände
aus Holz und Metall. Sie erhalten auch Kurse zur Ernährung,
Hygiene, Persönlichkeitsbildung und lernen, was
man wissen muss, um als Kleinunternehmerin erfolgreich
sein zu können. Allein 1999 waren 322 Frauen
gegen eine geringfügige Kursgebühr in Las
Gravileas eingeschrieben, 294 nahmen wöchentlich
an einem Kurs teil. Von diesen wurden noch im selben
Jahr 152 als Kleinstunternehmerinnen aktiv und konnten
somit zum Einkommen ihrer Familien beitragen.

Neues Selbstbewusstsein
Anlässlich ihrer Projektreise machte
sich die ICEP-Projektbetreuerin Mag. Astrid Florian
im Gespräch mit Kursteilnehmerinnen von Las Gravileas
ein Bild vom Wirkungsgrad und der Bedeutung des Ausbildungszentrums
für die Frauen. Las Gravileas ist für die
Begünstigten mehr als eine Möglichkeit,
eine Ausbildung zu erhalten. Las Gravileas bietet
eine gepflegte Atmosphäre mit gut ausgestatteten
Räumlichkeiten. Viele Frauen haben erst durch
die neue Cafeteria entdeckt, was es bedeutet, von
anderen mit Respekt eine Dienstleistung zu erhalten.
Das alles stärkt ihre Selbstachtung, und so passiert
es, dass sie oft ihr bestes Gewand anziehen, wenn
sie zum Unterricht kommen. Man sieht es auch ihren
Gesichtern an, dass sie auf ihre neuen Kenntnisse
stolz sind. Dieses ‚ordentliche Umfeld‘
färbt auch auf das Zuhause der Begünstigten
ab: Sie sind mit besonders viel Liebe eingerichtet
und sehr ordentlich. Im Gespräch mit einigen
Ehemännern zeigte sich, dass das Engagement ihrer
Frauen nicht immer von Anfang an Akzeptanz fand, dass
sich die anfängliche Skepsis aber in den meisten
Fällen in Zufriedenheit auflöste.“

Steigerung der
Verkaufszahlen
Zur Steigerung des Verkaufs der in Las Gravileas
hergestellten Produkte wurden drei Arbeitsplätze
geschaffen, die nach Ablauf des Projektes aus den
gesteigerten Verkaufserlösen weiterfinanziert
werden konnten. Die Cafeteria mit Verkaufsshop kann
nun auch an den Wochenenden offen gehalten werden.
Eine Verkaufsleiterin betreut die Marke „Las
Gravileas“ auf regionalen Absatzmärkten.
Studenten der Universidad del Istmo wurden gewonnen,
eine Studie zu den Exportmöglichkeiten von guatemaltekischem
Kunsthandwerk durchzuführen. „Las Gravileas“
ist sogar der Sprung auf Kunsthandwerk-Messen in Europa
gelungen. Der Erfolg der Verkaufsstrategie lässt
sich in Zahlen ausdrücken: Der Umsatz konnte
von 3.500 Quetzales/Trimester zu Projektbeginn auf
40.000 Quetzales/Trimester bei Projektende gesteigert
werden.
© ICEP 2003
<<
zurück
|