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Fanusi Study Centre:Solidarität
lebendig umsetzen
In einem Entwicklungsland
wie Kenia ist es für junge ambitionierte Leute, die
nicht den reichen Bevölkerungsschichten angehören,
die sich möglicherweise ein Studium im Ausland leisten
können, schwierig, eine Universität zu besuchen.
Ohne staatliche oder private Förderung ist das praktisch
unmöglich, und selbst einen Universitätskredit
zu bekommen, braucht viel Glück. Aber auch dann ist
es selbstverständlich, neben dem Studium zu arbeiten.
Da Frauen in Kenia mit vielfältigen Benachteiligungen
konfrontiert sind, ist es für sie noch schwieriger,
ein Studium zu absolvieren. Der Frauenanteil an den Studenten
ist daher sehr niedrig.

Fanusi: Rückhalt
für Studentinnen
Unweit der Universität von Nairobi befindet
sich das Fanusi Study Centre. Seit seiner Eröffnung
1987 ist es nicht nur ein Wohnort, sondern auch ein Treffpunkt
für alle interessierten Studentinnen, unabhängig
von ihrer Nationalität oder Stammeszugehörigkeit,
sozialer Herkunft oder Religion. Es richtet sich vor allem
an Mädchen aus der armen, ländlichen Bevölkerung,
die zum Studium nach Nairobi kommen: Fanusi bietet ihnen
eine hilfreiche Hand beim Zugang zur Universität und
bei der Bewältigung des Studiums. Es stellt ihnen einen
ruhigen Studierraum zur Verfügung, bietet Möglichkeiten
der Bildung von Persönlichkeit und sozialer Kompetenz,
leistet Gesundheitsfürsorge, vermittelt Jobs und unterstützt
bei der Umsetzung von Sozialinitiativen in den Heimatdörfern,
die den Studentinnen helfen sollen, mit ihren Familien und
Freunden in ihren Dörfern verbunden zu bleiben.

Weiter Horizont
Als die Kianda Foundation das Fanusi Study Centre
konzipierte, hatte sie mehr als nur die Errichtung eines
Wohnheims für zwanzig Studentinnen im Auge. Und tatsächlich
gelang es, von Anfang an weitreichende Tätigkeiten
zu enfalten.
Vielfältige Einsätze
am Land
Zum Coaching der Führungskräfte von Morgen
gehört aus der Sicht Kiandas in den Ferienzeiten die
Durchführung von Sozialeinsätzen auf dem Land.
Es geht dabei um frauenspezifische Beratung (Familie und
Erziehung, AIDS-Prävention, Würde der Frau, Menschenrechte
...), Ernährung und Hygiene, das ABC der Unternehmensführung,
medizinische Vorsorge und Nachhilfe-Unterricht für
Kinder. Mitunter führt Fanusi auch sehr handfeste Einsätze
durch, bei denen Wassertanks installiert, Klassenzimmer
restauriert, eine Apotheke oder Schneiderei eingerichtet
werden.

Komplimente vom Ministerium
Im „Ministry of Culture and Social Services“
Kenias wird der geleistete Einsatz honoriert. Hellen M.
Achola, Social Development Officer: „The programmes
carried out at the Centre have a real impact in many of
the rural areas. As a Social Developer I am happy to see
that there are institutions like this one, interested in
addressing the real needs of the country, that is helping
to form leaders who can work with the grass roots.“
– Während der Sommerferien beteiligen sich jährlich
mehrere Dutzend europäische Studentinnen an den sozialen
Einsätzen Fanusis. Ihr Aufenthalt in Kenia erweitert
Kiandas Rückhalt in Europa, ermöglicht kulturellen
Austausch, und mit den Einnahmen kann Kianda während
des Jahres Stipendien für Heimplätze vergeben.
Entscheidend: Training
of Trainers
Von Beginn an war es das Bestreben Kiandas, Studentinnen
und junge Berufstätige für Sozialeinsätze
zu gewinnen. Kianda legte dabei großen Wert auf die
Ausbildung der freiwilligen Sozialtrainerinnen. Aus dieser
Bemühung heraus etablierte Kianda einen sechsmonatigen
Kurs „training for trainers“ für 20 Teilnehmerinnen
pro Jahr. Bemerkenswerterweise rekrutiert sich das heutige,
dreiköpfige Fanusi-Leitungsteam aus Studentinnen, die
neben ihrem Studium diesen Kurs abgeschlossen haben. Kianda
ist auch stolz darauf, dass die meisten Absolventinnen neben
ihrem normalen Beruf in verschiedenen kleineren und größeren
Entwicklungsinitiativen engagiert sind.

Kapazitäten erweitern
ICEP ermöglichte es, die räumlichen Kapazitäten
des Fanusi Study Centre im Bereich Ausbildung zu erweitern
und endlich ein Auto für die Outreach-Aktivitäten
sowie eine bisher nicht vorhandene Computerausrüstung
anzuschaffen. Die neuen Räumlichkeiten erlauben im
Winter ein Training für 40 Volonteers, im Sommer ihre
Beherbergung und die gleichzeitige Durchführung von
mehreren Kleinprojekten am Land. Auf der Grundlage der neuen
Möglichkeiten startete Fanusi Initiativen, die weit
über die gesteckten Ziele hinausgehen. Dabei lässt
sich beobachten, dass diese große Dynamik entfalten
und oft auch im Verbund mit anderen Kianda Projekten umgesetzt
werden. So etwa gemeinsam mit dem Ausbildungszentrum Kimlea,
das sich im Zentrum einer Tee- und Kaffeeplantagenlandschaft
befindet und sich daher als Basis für ein medizinisches
Betreuungsprogramm geradezu anbietet. Dieses wird mit Unterstützung
der pharmazeutischen Industrie von Medizinstudentinnen gemeinsam
mit Ärzten durchgeführt. Ausgangspunkt des Projekts
ist die schlechte medizinische Versorgung der Bevölkerung.
Die Studentinnen verbinden somit berufsspezifische Praxis
mit der Hilfe für besonders benachteiligte Menschen
am Land.
© ICEP 2003
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ICEP-Projekt Nr. 5: Erweiterung
des Fanusi Study Centres. Die Ausbildungskapazitäten
für Studentinnen wurden verdoppelt und der Radius
der Sozialeinsätze auf dem Land erhöht.
„Ausbau des Fanusi Study Centres“
Juni 2000 bis April 2001
Projektbudget (in EUR) 183.540,-
Baukosten 131.320,-
Einrichtung, PC-Ausrüstung 13.100,-
Auto 17.400,-
Personalkosten 6.320,-
Projektbegleitung Kianda 5.000,-
Verwaltung ICEP 6 % 10.400,-
ICEP: 45.840 EUR
BMaA: 137.700 EUR
gefördert
durch die

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Die jährliche Ausbildungskapazität
von Fanusi wurde im Bereich der Studentenbetreuung
verdreifacht, im Bereich des Ausbildungskurses „Training
of Trainers“ von 20 auf 40 verdoppelt. Damit
konnte das Angebot und der Umfang der Fanusi Outreach-Programme
stark erweitert werden, zum Beispiel die Vorbereitung
von Kindern auf die Secondary School im Umland Nairobis
und die medizinische Betreuung der ländlichen
Bevölkerung.
Der ICEP Projektpartner: Kianda
Die Kianda Foundation, am 9. Jänner
1961 als Stiftung gegründet, macht mit der Forderung
Chancengleichheit für Frauen ernst. Die Non-Profit-Organisation
hat bereits zahlreiche wegweisende Projekte umgesetzt,
die die edukative, soziale und kulturelle Situation
in Kenia verbessert und bereichert haben. Die über
100 Mitarbeiterinnen sind davon überzeugt, dass
die Förderung von Frauen und Mädchen den
Schlüssel für die soziale Entwicklung des
Landes bildet. Das Renommee Kiandas liegt auch darin
begründet, dass es von Anfang an ausschließlich
multiethnisch gearbeitet und Menschen verschiedener
Stämme, Rassen und Religionen integriert hat.
Kianda setzt seit vielen Jahren erfolgreich Projekte
gemeinsam mit der Europäischen Union und europäischen
NGOs um.
Eröffnung mit österreichischer
Präsenz
Den Abschluss des baulichen Teils des Projekts beging
Fanusi feierlich und öffentlichkeitswirksam.
Besonders erfreulich war die Gegenwart einer hohen
Repräsentantin der österreichischen Botschaft,
von Evelin Sochor-Fischer, Erste Sekretärin und
Konsulin. Sie freute sich, in Abwesenheit des Botschafters
die Gelegenheit zu haben, Fanusis Aktivitäten
kennen zu lernen, und richtete auch einige persönliche
Worte an das Publikum: „Empowerment for women
– one of the biggest challenges of today´s
world, ... Without educating women who are the backbone
of Kenyan society no real progress can be imagined
nor made. It is heartbreaking to watch women –
even here in Nairobi – carry a heavy load of
wood on their backs while the men are sitting around
talking, drinking, resting. [...]
The training of trainers, like it is done at the Fanusi
Study Centre, is in fact one of the best ways to spread
and multiply educational efforts and to reach as many
young people as possible.“
Zum Thema: Landflucht
23 der 30 größten Städte
der Welt liegen in den Entwicklungsländern. Täglich
ziehen 160.000 Menschen vom Land in die Stadt. In
Lateinamerika liegt der Urbanisierungsgrad schon länger
sehr hoch (1990 über 70%). In den Staaten Afrikas
ist die Landflucht zwar ein noch relativ junges Phänomen,
sie entwickelt sich aber immer schneller. Insbesondere
jungen Menschen bieten die ländlichen Gebiete
häufig keine Zukunftsperspektive. Berufsbildung,
oft sogar nur ein erfolgreicher Schulbesuch, ist dort
für die meisten Jugendlichen ein unerfüllter
Wunschtraum. Dazu kommt, dass Familien auf dem Land
in der Regel sehr viel mehr Kinder haben (6-8) als
in den Städten (3-4). Dadurch gibt es am Land
kaum Chancen auf Arbeitsplätze. Das bewirkt,
dass gerade die junge Bevölkerung mit dem größten
Arbeitspotenzial vom Land in die Stadt abwandert.
Viele der größten Megastädte
sind jedoch damit überfordert, ihrer schnell
wachsenden Bevölkerung menschenwürdige Lebensbedingungen
zu ermöglichen. Die Mehrheit der Menschen, die
vom Land in die Städte ziehen, kommt in den Armutsgebieten
der Städte unter. In Afrika leben 37 Prozent
aller Stadtbewohner in solchen Slums, die vielfach
nur unzureichend mit Trinkwasser sowie Abwasser- und
Abfallentsorgung ausgestattet sind. Auch von Bildungs-
und Gesundheitsdiensten sind die Armenviertel häufig
ausgeschlossen. Für viele endet damit die erfolglose
Arbeitssuche in Kriminalität und Prostitution.
Das bedeutet, dass die Versorgungslage in den Städten
verbessert und gleichzeitig dafür gesorgt werden
muss, dass sich die Lebenssituation der Menschen auf
dem Land verbessert. Für beides ist der Zugang
zu Bildungs- und Gesundheitsangeboten entscheidend.

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