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Dorfbanken: Empowerment für
Maya-Frauen
Im westlichen Hochland Guatemalas
leben weithin zerstreut auf über 2000 m Seehöhe
etwa drei Millionen Menschen. Die Region hat eine der höchsten
indigenen Bevölkerungsdichten weltweit. Die Analphabetenrate
liegt bei über 60% – bei Frauen noch höher.
Sie stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung
dar, da die Männer oft in Städte abgewandert sind.
Viele Frauen tragen daher nicht nur die Last des Haushalts
für eine durchschnittlich siebenköpfige Familie,
sondern müssen zusätzlich oft allein für
das Familieneinkommen sorgen.

Hebel für die
Entwicklung
Solange diese Frauen weder über Ausbildung
noch über einen kleinen finanziellen Spielraum verfügen,
müssen sie Tag und Nacht hart arbeiten und oft auch
die Kinder einsetzen, um die Familie mit vereinten Kräften
durchzubringen. Gleichzeitig bedauern sie, dass sie Pflege
und Erziehung der Kinder vernachlässigen, und betreiben
Raubbau an ihrer und deren Gesundheit. Darüberhinaus
ist die Zusammenarbeit unter den Frauen der Gemeinden gering.
Dies ist mit eine Folge ihres allgemein niedrigen Selbstvertrauens
und Selbstwertgefühls. Ein vielversprechender Hebel
zur Entwicklung und Verbesserung der Situation heißt:
Zugang zu finanziellen Mitteln und ein breitgefächertes
Ausbildungsangebot.
Neue Chancen durch
Kredite
Der ICEP-Partner FUNDAP wendet eine bereits klassische
Methode an, um diesen Frauen Entwicklungschancen anzubieten,
die auf der Gründung von so genannten Dorfbanken aufbaut:
Von lokalen Frauengruppen selbst verwaltete, ungesicherte
Gemeinschaftskredite werden zu „Banken“, bei
denen die Mitglieder individuell Kredite aufnehmen können.
Der Erfolg solcher Banken beruht dabei auf der Kombination
einer überschaubaren Zahl von Kreditnehmerinnen, geringen
Kreditsummen, sozialer Kontrolle, geringen, aber häufigen
Rückzahlungen – und kompetenten und motivierten
Betreuern. Im Falle der 27 mit Hilfe von ICEP gegründeten
Dorfbanken im westlichen Hochland Guatemalas wurden ausschließlich
Frauen gefördert, in erster Linie Maya-Frauen, die
über ein Kleinstunternehmen, das sie haben oder erst
gründen wollen, das Familieneinkommen erwirtschaften:
Händlerinnen, Handwerkerinnen, Kleinviehzüchterinnen,
Bäckerinnen etc., die ihre geringen Einkünfte
durch Kredit und Ausbildung spürbar steigern können.
Fundamental: Ausbildung
Um in eine Dorfbank aufgenommen zu werden, mussten
die Frauen bereit sein, an Ausbildungsprogrammen teilzunehmen.
Der zeitliche Aufwand, der mit dem Training verbunden war,
stellte für die Interessentinnen eine kleine Hürde
dar, die wiederum die richtige Motivation von Anfang an
sicherte. Das Ausbildungsangebot wurde auf die Bedürfnisse
der Kreditnehmerinnen zugeschnitten. Sie wurden in das Konzept
der Dorfbank eingeführt, erhielten Unterricht in grundlegenden
Fragen des Wirtschaftens und die notwendige persönliche
Betreuung, um ihre Erwerbstätigkeit mittels geeigneter
Investitionen in Schwung zu bringen. In manchen Gruppen
konnte auch handwerklicher Unterricht erteilt werden, was
bei den Frauen großen Anklang fand und auch von anderen
Gruppen eingefordert wurde.
Pro&Contra: Gemeinschaftskredit
Um die Finanzgebarung der einzelnen Dorfbanken
zu sichern, wurde das bewährte Prinzip praktiziert,
dass neue Kredite nur ausbezahlt werden, wenn alle Frauen
derGruppe ihre Kredittilgungs- und Zinszahlungen vorgenommen
haben. Dies führte gelegentlich zum Unmut jener Frauen,
die ihre Zahlungen termingemäß erledigten, auf
eine neue Auszahlung aber warten mussten, weil andere ihre
Termine versäumt hatten. Die Vorteile dieses Prinzips
liegen jedoch auf der Hand: Die Frauen sollen dadurch veranlasst
werden, sich gegenseitig zu unterstützen und als Gruppe
zusammenzuwachsen. Außerdem ist es anders kaum möglich,
Kreditausfälle auf geringstem Niveau zu halten und
damit die Hauptvoraussetzung zu schaffen, die den Weiterbestand
der Bank auch nach Projektende ermöglicht.

Dorfbanken: völlig
unbürokratisch
Um in die Dorfbank aufgenommen zu werden, muss
die Mehrheit der Mitglieder der Aufnahme zustimmen. Vor
jedem Erhalt eines Kredits legen die Frauen schriftlich
fest, wofür sie ihn verwenden wollen: Er sollte nur
unternehmerisch investiert werden. Die Dorfbankenmitglieder
treffen sich 14-tägig. Zum Erfolg des Dorfbankenmodells
gehört, dass die Kreditnehmerinnen Rückzahlungen
und den methodisch festgelegten Zinssatz von monatlich 3%
aus den höheren Einkünften bestreiten können.
Gutachten durch externe
Berater
Das Projekt wurde im September 2002 vom guatemaltekischen
Beratungsunternehmen ECODESA (Equipo de Consultores en Proyectos
de Desarrollo Ecológico Sostenible) eingehend analysiert
und Stärken und Verbesserungspotenziale festgestellt.
Die Berater besuchten zahlreiche Dorfbanken und interviewten
Begünstigte und FUNDAP-Mitarbeiter. Sie kamen zum Ergebnis,
dass der Ansatz des Projekts auf die Problemlage der Frauen
zugeschnitten, die Methode korrekt gewählt und die
Ziele adäquat gesetzt wurden. Die selbst gesteckten
Fristen wurden exakt eingehalten, das Budget war genau veranschlagt
und wurde ebenso eingesetzt. Die Zahl der Kreditnehmerinnen
lag bei Projektende bei 598. Da die Dorfbanken weitergeführt
werden, darf man zuversichtlich sein, dass die angepeilte
Zahl von 800 Frauen bei weitem übertroffen werden wird.

Verbesserungspotenziale
ECODESA stellte auch Schwächen fest: So wurde
der Wechsel der Projekt-Betreuerinnen bemängelt, jener
FUNDAP-Mitarbeiterinnen, die die Dorfbanken in den Gemeinden
gründeten, betreuten, die Frauen unterrichteten und
berieten. Positiv erwähnt ECODESA das gute Einvernehmen
zwischen den Betreuerinnen und den Begünstigten. Auf
der Ebene der Ausbildung wurde bei einzelnen Dorfbanken
am Projektbeginn die gewünschte Qualität nicht
vollständig erreicht. Auch das Controlling kann weiter
verbessert werden, damit der wirtschaftliche Mehrwert, den
die Begünstigten erzielen, besser quantifizierbar wird.
Friedens-Bemühungen
unterstützt
Interessant ist, dass ECODESA dem Projekthinsichtlich
seiner Eignung auch deshalb einegute Note gibt, weil es
„die nationalen Anstrengungen der Entwicklung unterstützt“:
Die Friedensverträge von 1996 hatten zu Aktionen der
wirtschaftlichen und sozialenEntwicklung u. a. in Gebieten
mit hohenArmutsindikatoren durch die Nutzbarma-chung örtlicher
Ressourcen, durch Förderungdes Handwerks sowie die
Unterstützung der Frauen und des sozialen Gefüges,
verpflichtet. Das Projekt fügt sich in diese Politik
der nachhaltigen Entwicklung genau ein.

Gemeinsame Entwicklung
Mancherorts stieß FUNDAP bei Projektbeginn
auf Vorbehalte. Führende Männer von Gemeinden
fürchteten um den sozialen Frieden und auch Ehemänner
hegten nicht selten ganz allgemeine Skepsis hinsichtlich
des neuen Engagements ihrer Frauen. Oft wurde aber sehr
bald erkannt, dass die Einführung der Dorfbanken den
Zusammenhalt der Gemeinden stärkte. Und die Ehemänner
wurden nicht zuletzt durch den höheren Beitrag ihrer
Frauen zum Familieneinkommen überzeugt.
Aus der Sicht der
Frauen
Zum Abschluss das Zeugnis von María Angélica
Cortés, die stellvertretend für viele andere
Projektteilnehmerinnen den Projekterfolg auf den Punkt bringt:
„Ich bin 36 Jahre und gehöre seit acht Monaten
zur Dorfbank ‚Damas en Acción‘ in Quetzaltenango.
Das Geschäft, das ich betreibe, ist eine Strickwerkstatt.
Mit dem ersten Kredit, den ich erhielt, kaufte ich Materialien
für meine Produktion. Vorher hatte ich für zwei
Schulen die Pullover, die zur Uniform gehören, gemacht.
Gott sei Dank ist mein Geschäft gewachsen, jetzt arbeite
ich für vier Schulen. Mit dem zweiten Kredit habe ich
eine größere Strickmaschine gekauft. Die Gewinne,
die ich erwirtschafte, helfen mir, mehr zu produzieren.
FUNDAP kam genau im richtigen Augenblick, um mir menschliche
und wirtschaftliche Unterstützung anzubieten. Ich danke
Ihnen dafür, dass Sie sich für uns interessieren.“
© ICEP 2003
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