Pearlcrest: Training
Centre für junge Frauen in Kampala
In dem Maß, in dem die
Vorstädte der 1,2-Millionen-Stadt Kampala durch
den Zuzug vom Land wachsen, nimmt die Zahl der Arbeit
Suchenden zu. Frauen aus den armen Schichten haben
mangels Schulbildung (die städtische Analphabetenrate
liegt bei Frauen über 20 Prozent) und Berufsausbildung
sowie aufgrund früher Schwangerschaften kaum
Zugang zu regelmäßigem Einkommen. Unstabile
familiäre Verhältnisse zwingen sie häufig,
auf sich allein gestellt sich und ihre Kinder mit
schlecht bezahlten Hilfstätigkeiten durchzubringen.

Frauen doppelt belastet
In einem offiziellen Bericht zur Landesstatistik der Republik
Uganda 1998 heißt es: „While poverty affects
households as a whole, the division of labour between
women and men, and the responsibilities for household
welfare, leads women to bear a disproportionate burden.
They attempt to manage household consumption and production
under conditions of scarcity.“ Und resümierend:
„Women constitute the poorest of the poor.“
Pearlcrest: Große Reichweite
Um Frauen eine Zukunft zu bieten, startete die Kyoga-Foundation
1998 in Kampala das Ausbildungszentrum „Pearlcrest“.
Auf minimalem Platz und mit geringen Mitteln ging man
daran, jungen Frauen aus den Slums von Kampala Ausbildungskurse
für den Hospitalitysektor anzubieten. Berufstätigen
Frauen bietet Pearlcrest die Möglichkeit arbeitsplatzverbessernder
Abend- und Wochenendkurse an. Weitere Personen werden
dadurch erreicht, dass Pearlcrest-Mitarbeiterinnen zweimal
jährlich einen Monat lang auf das Land fahren und
dort für Frauengruppen Alphabetisierungskurse abhalten
und ihnen darüber hinaus praktische Kenntnisse vermitteln.

Fortbildung, Rat und Hilfe
Die Ausbildungsbereiche sind im Wesentlichen die Hotelfächer
Kochen, Ernährung, Gesundheit, Hygiene und Haushaltspflege.
Zusätzlich erhalten die Frauen Orientierung und Beratung
in Familien-, Gesundheits- und Erziehungsfragen. Die Stärkung
des Selbstbewusstseins der Frauen durch Ausbildung liefert
langfristig die Grundlage für die Gestaltung einer
partnerschaftlichen Beziehung zu den Männern, was
in einem weiteren Schritt der Familie und der Gesellschaft
zugute kommt. In Pearlcrest gilt im Übrigen das Prinzip,
auf Herkunft und Stammeszugehörigkeit der Frauen
keine Rücksicht zu nehmen. Dadurch leistet Pearlcrest
zusätzlich zum Ausbildungsangebot einen Beitrag zur
Verständigung zwischen den Menschen.
Mit besten Empfehlungen
Offizielle Unterstützungerklärungen geben ein
gutes Bild vom öffentlichen Ansehen Pearlcrests.
So schreibt Catherine Akumu Mavejina vom Ministry of Public
Service: „Pearlcrest ist one of the reputable organisations
in Uganda. The efforts of Pearlcrest to train young women
in Cookery, Interior Decoration and House-keeping has
helped them to gain confidence, employment and self-esteem.
The new project will help them gain higher standards and
equip them with experience to use modern institutional
management technical equipment.“

Nachfrage gesichert
„In Uganda“, so das Schreiben weiter, „
where tourist industry is growing very fast, it will be
vital to have an institution which will train qualified
women to work in hotels and restaurants. … Uganda
needs these courses ... We need a well equipped manpower
for our hotels to boost the tourist industry.“ Und
nochmals zum ersten Gedanken zurückkehrend: „This
organisation is honest, reliable and will deliver dedicated
services to the needy people of Uganda.“
Wirkungskreis erweitern
Damit die engagierte Einrichtung den Wirkungsgrad ihrer
Ausbildungstätigkeit ausweiten kann, hat sie mit
Hilfe ICEPs ihre räumlichen Möglichkeiten vergrößert,
ihre Ausstattung verbessert und gleichzeitig ihr Kursprogramm
professionalisiert. So verfügt Pearlcrest nun auch
über die notwendigen Voraussetzungen, um durch Catering-Services
finanzielle Autonomie zu erlangen.
South-South-Cooperation mit Kenia
Beide Schritte wurden unter Anleitung der renommierten
Kianda-Foundation aus Kenia unternommen, die sich bereit
erklärt hatte, Kyoga ihre langjährige Ausbildungserfahrung
zur Verfügung zu stellen und das Personal zu schulen.
Die Tatsache, dass der Know-how-Transfer nicht aus Europa,
sondern aus dem benachbarten Kenia nach Uganda kommt,
stärkt die Eigenverantwortung des Südens.

Unerwartete Hindernisse
Während die personellen und inhaltlichen Vorbereitungen
unter dem Tutorium Kiandas plangemäß
verliefen und unmittelbar nach Projektbeginn einsetzten,
verzögerte sich der Baubeginn um fast ein Jahr.
Zum einen mussten gleich zu Beginn die Baupläne
neu konzipiert werden: Die ursprünglichen Pläne
sahen einen ebenerdigen Zubau unter Einbeziehung
des ebenso ebenerdigen Althauses von Pearlcrest
vor. Bei der Einreichung des Plans stellte sich
heraus, dass aufgrund einer neuen Verordnung in
diesem Stadtteil nur mehrstöckige Bauten genehmigt
werden. Das hieß auf das Althaus verzichten
und ein vierstöckiges Gebäude einreichen,
das in zwei Phasen gebaut werden soll. Im Rahmen
des ICEP-Projekts wurden nur die ersten beiden Stockwerke
errichtet. Für die Finanzierung des zweiten
Obergeschoßes konnte ICEP eine spanische Partnerorganisation
gewinnen. Wesentlich problematischer war, dass der
Original-Kaufvertrag des Grundstücks im Verwaltungsapparat
der Behörden plötzlich nicht mehr auffindbar
war. Seitens Kyoga waren sämtliche Formalitäten
ordnungsgemäß durchgeführt worden,
der Kauf war offiziell registriert, die Verkaufsvereinbarung
durch alle Beteiligten unterzeichnet. Zahlreiche
Vorsprachen bei der Behörde und die Einschaltung
von Anwälten und Fürsprechern waren notwendig,
bis das Dokument ein halbes Jahr später am
30. Mai 2002 plötzlich doch wieder auftauchte.
Damit konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden.
Im Juli 2003 war Schlüsselübergabe.
Zahlreiche Aktivitäten
Während der ganzen Zeit war und ist Pearlcrest
überaus aktiv. Vorübergehend wurde auch
in angemieteten Lokalen geschult und ausgebildet.
Das neue einjährige Ausbildungsprogramm für
50 Mädchen wird – durch die Verzögerungen
beim Baubeginn – allerdings erst im Herbst
2004 seinen Anfang nehmen. Dies, weil der geplante
Kursbeginn im September 2003 durch einen Wechsel
der Zuständigkeiten für die Registrierung
von Fortbildungsinstituten in ein neu geschaffenes
Ministerium nicht möglich war. Inzwischen bietet
das durch Mundpropaganda weithin bekannte Ausbildungszentrum
zweimonatige Kurse an. Zur Deckung der laufenden
Kosten werden unter anderem Catering-Aufträge
angenommen oder Fund-Raising-Dinners organisiert.
© ICEP 2003
<<
zurück