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Zukunft für Kleinunternehmer
im Fremdenverkehr
Mit ausgedehnten Naturparks,
25 Kratern, riesigen Seeflächen, vulkanischen
Inseln und reizvollen Kolonialstädten lockt der
am Pazifik gelegene Teil Nicaraguas jährlich
hunderttausende Touristen über den Inter American
Highway für zumindest einen kurzen Aufenthalt
ins Land. Der Lago de Nicaragua ist mit einer Oberfläche
von 8.175 km2 der größte See Mittelamerikas,
der zehntgrößte Süßwassersee
der Welt, Lebensraum der einzigartigen Süßwasserhaie
und Fischrevier für Pelikane. In der Pazifik-region
befinden sich die wichtigsten Städte Nicaraguas:
Managua, Masaya, Granada, Carazo und Rivas. Hier lebt
rund ein Viertel der Bevölkerung des Landes,
in der großen Mehrheit Mestizen.

Tourismus
in den Kinderschuhen
Während sich die internationale Tourismusindustrie
viel vom aufkommenden Fremdenverkehr verspricht, fehlt
es angesichts der sich bietenden Chancen in den lokalen
Kleinst- und Kleinbetrieben an unternehmerischem Know-how
und touristischer Erfahrung, um das Angebot auf internationale
Standards zu heben. Es mangelt an Service- und Kundenorientierung
ebenso wie an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen
zur Preiskalkulation. Ebenso fehlt es an der nötigen
Aufmerksamkeit für die Folgen eines möglicherweise
rasant wachsenden Tourismussektors in ökologischer,
kultureller wie auch sozialer Hinsicht. Zu diesen
Ergebnissen kommt eine Studie, die vom Tourismusverband
Nicaraguas durchgeführt wurde.

Unterstützung
ist angesagt, ...
... um den Kleinunternehmern auf die Beine zu helfen.
Ohne deren starken Beitrag wird die lokale Bevölkerung
selbst wenig vom Fremdenverkehrsumsatz profitieren
und droht das Land langfristig vom internationalen
Tourismus überrollt und vereinnahmt zu werden.
Die nicaraguanische Entwicklungsorganisation ACODEP
bietet touristisch orientierten Kleinunternehmern
ein zweifaches Kursangebot – einen eintägigen
Basiskurs „Kundenbetreuung“ und einen
sechstägigen Vertiefungskurs „Servicequalität
und Kundenzufriedenheit“ mit Einzelberatung
– an. Den Teilnehmern werden grundlegende Erfolgsprinzipien
bewusst gemacht, ihre Motivation gehoben. Sie werden
in ihrem Unternehmergeist sowie in ihrer kulturellen
Identität gestärkt und erlernen spezifisches,
auf ihre Tätigkeit zugeschnittenes Know-how.
Ausbildung für
450 Unternehmer
Dass kurz nach Projektbeginn der 11. September dem
internationalen Tourismus einen Rückschlag versetzte
und auch das Interesse an den Kursen vorübergehend
bremste, war nicht abzusehen gewesen. Dennoch konnte
das für Ende 2003 gesetzte Ziel von 450 Teilnehmern
mit 687 erreichten Kleinunternehmern oder deren Angestellten,
mehrheitlich Frauen, letztlich übertroffen werden.
Das, obwohl der 50-Stunden-Kurs „Servicequalität
und Kundenzufriedenheit“ mit nur 100 Teilnehmern
nicht die gewünschte Teilnehmerzahl (180) erreichte.
Umso größer war die Nachfrage nach dem
8-Stunden-Kurs „Kundenbetreuung“ (384
Teilnehmer statt geplante 270). Dazu entwickelte ACODEP
ein zusätzliches Ausbildungsmodul, den 16-Stunden-Kurs
„Organisation von Veranstaltungen“, der
203 im Tourismusbereich Beschäftigte anzog. Insgesamt
wurden 41 Kurse durchgeführt. Für alle 100
Teilnehmer am 50-Stundenkurs wurde eine individuelle
Business-Analyse durchgeführt.
Externe Evaluierung
attestiert Projekterfolg
Eine Tourismusberaterin wurde von ICEP beauftragt,
die Evaluierung des Projekts vorzunehmen. In ihrem
Bericht streicht sie Folgendes hervor: Das Besondere
an diesen Kursen ist fürs erste, dass es etwas
Ähnliches, nämlich etwas Exklusives für
Kleinunternehmen im Tourismusbereich noch nie zuvor
gab. Gleichzeitig ist die Fortbildung für Fremdenverkehrsbetriebe
aber deshalb so wichtig, weil der Tourismus einer
der Hauptdevisenbringer der nicaraguanischen Volkswirtschaft
ist. Das Projekt hat sehr viele positive Impulse gesetzt,
nicht zuletzt Beschäftigungsimpulse: Im Durchschnitt
wurden pro Unternehmen neben ein und zwei zusätzlichen
festen bis zu fünf temporären Angestellten
beschäftigt. Zusätzlich führten die
Kurse zu einer derart massiven Steigerung im Baugewerbe,
dass die Errichtung eines Bauarbeiter-Ausbildungszentrums
überlegt wird! Die Begünstigten sind sich
über den Nutzen der Ausbildung im Klaren. Rückblickend
empfinden sie, dass sich die Ausbildung auch dann
gelohnt hätte, wenn sie statt 20 Prozent bis
zu 35 Prozent der Kosten des Kurses zu tragen gehabt
hätten. Aus der durchgeführten Kundenbefragung
geht hervor, dass fast 90 Prozent der Gäste mit
der Betreuung in den Restaurants, 100 Prozent mit
der Betreuung in den Hotels zufrieden waren. Das Projekt
wird als effektiver Beitrag zur Armutsbekämpfung
in Nicaragua gewertet, vor allem auch deswegen, weil
KMUs ihre Mitarbeiter meist auf dem Land oder in armen
Stadtvierteln suchen. Nicht zuletzt bewirkte das Projekt,
dass einige Tourismusunternehmen, die bereits am Rande
einer finanziellen Krise standen, ihre Engpässe
überwinden und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten
überstehen konnten.
© ICEP 2004
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