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ICEP beim Europäischen Forum Alpbach 2007:
Die Entwicklungszusammenarbeit von morgen braucht Innovation

Im Arbeitskreis „Wirtschaft, Innovation und Entwicklung“ im Rahmen der Reformgespräche des Europäischen Forum Alpbach standen innovative Denkansätze, Partnerschaften, Business Modelle und Finanzierungsinstrumente im Mittelpunkt der Diskussion. Fazit: um in Schwellen- und Entwicklungsländern wirtschaftliche und dadurch soziale Entwicklung voranzutreiben, müssen die Akteure umdenken, experimentieren und lernen. Am erfolgreichsten sind jene Unterfangen, die Denkbarrieren durchbrechen.

Experten auf dem Podium (v.l.n.r.): Christian Seelos (IESE Business School), Stefanie Koch (Holcim), Søren Hvilshøj (Grontmij | Carl Bro), Veronika Gasser (Salzburger Nachrichten), Leonid Delberg (BGS Smartcard), Hans Stoisser (Ecotec)

Die Reformgespräche des Europäischen Forum Alpbach waren mit dem Titel „Emerging Markets – Emerging Partners“ mit einem besonderen Fokus auf globale Entwicklung und neue Partnerschaften gerichtet. ICEP wurde als Experte für Wirtschaft und Entwicklung von der Wirtschaftskammer Österreich eingeladen, im Rahmen seiner corporAID Initiative einen Arbeitskreis zum Thema „Wirtschaft, Innovation und Entwicklung“ in Alpbach zu gestalten. Als Vortragende konnten Berater und Experten für wirtschaftsorientierte Entwicklungszusammenarbeit sowie Vertreter von Unternehmen – wie der Schweizer Zementproduzent Holcim und BGS Smartcard, Anbieter von Zahlungssystemen für Schwellenländer –, die durch innovative Business Modelle in Entwicklungsregionen auch soziale Entwicklung fördern, gewonnen werden.

Die globale Vernetzung hat neue und nie da gewesene Perspektiven eröffnet. Wirtschaftsnahe Entwicklungszusammenarbeit kann lokales Wachstum und damit lokales Einkommen fördern. Die Stärkung des Privatsektors stellt eine Chance dar – für heimische Unternehmen und die Menschen vor Ort. Die Art und Weise, wie Unternehmen mit dieser Herausforderung umgehen und wie sie ihre Ressourcen, ihre Innovationskraft und ihr Know-how zur weltweiten Wohlstandsschaffung nutzen, wird langfristig darüber entscheiden, ob Globalisierung die globale Gesellschaft positiv weiterentwickelt.

Der Welt ging es noch nie so gut wie heute. Allein in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verdreifachte sich das Pro-Kopf Einkommen weltweit. Diese Entwicklung gilt auch für Entwicklungs-
länder, sogar für Sub-Sahara Afrika. Nach Hans Stoisser, GF des österreichischen Beratungsunternehmen Ecotec, das sich auf die Beratung und Begleitung von Unternehmen bei Geschäftstätigkeiten in Entwicklungsländern spezialisiert hat, ist diese Entwicklung auf die Ausbreitung des liberalen, marktwirtschaftlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems zurückzuführen. Durch internationalen Wettbewerb würden Produktivität und Wirtschaftsleistung auch in Entwicklungsländern steigen, was die Voraussetzung für mehr Wohlstand sei. Richtige Politik und eine Internationalisierung der Wirtschaft würde langfristig Vorteile schaffen – die sozio-
ökonomische Basis für lokale Entwicklung und Chancen für internationale Investoren.

Dennoch leben die ärmsten 40 Prozent der Weltbevölkerung – 2,5 Mrd. Menschen – von weniger als 2 USD pro Tag (Annual Report, UNDP 2006), in Schwellenländern geht die Armutsschere weiter auf. Globale Armutsbekämpfung hat weltpolitisch Priorität. Auch die Privatwirtschaft kann einen Beitrag leisten. „Langsam findet ein Paradigmenwechsel statt“, sagte Stoisser, „wirtschaftsnahe Entwicklungszusammenarbeit ist plötzlich ein Thema für die österreichische Politik und auch zunehmend interessant für die Wirtschaft“.

Viel versucht, einiges erreicht, viel zu viel nicht erreicht. Für Christian Seelos, Dozent für General Management und Unternehmensstrategie an der IESE Business School Barcelona, sind die bestehenden Bemühungen in der Entwicklungszusammenarbeit unzureichend. Trotz vieler Ansätze, Lösungsvorschläge und Zielvorgaben, wie u.a. die Millennium Development Goals, wurde mit viel Geld viel zu wenig erreicht. Mitgrund dafür sei, dass zu viel an Schreibtischen der westlichen Welt geplant würde, ohne auf lokale Probleme und Bedürfnisse einzugehen. „Nachhaltig erfolgreiche Projekte kommen durch innovative Denkansätze und neue Strukturen zustande,“ weiß Seelos aus seiner Forschungsarbeit zu Social Entrepreneurs in Entwicklungsländern, „diese können wiederum nur lokal entstehen: wenn man es sich zum unternehmerischen Ziel macht, soziale Probleme zu lösen.“ Die Innovation von Nobelpreisträger Muhammed Yunus in Bangladesch sei nicht, kleine Kreditsummen an Arme zu vergeben, sondern Menschen in wirtschaftliche und soziale Strukturen einzubinden. Yunus’ Leistung: bestehende Denkbarrieren zu durchbrechen.

Als erstes Beispiel eines innovativen Business Modells, das vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern erfolgreich ist, stellte Leonid Delberg, CEO der österreichischen BGS Smartcard Systems AG, die Innovation im Bereich des bargeldlosen Geldtransfers vor. Die Smartcard-Technologie Duet ermöglicht effizientes, kostengünstiges und sicheres bargeldloses Zahlen, auch von kleinen Beträgen. „Wir haben erkannt, dass unser Produkt gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern mit einem großen Anteil an ‚unbanked population’ einen echten Mehrwert bietet,“ meinte Delberg, “für Banken, die neue Kundengruppen erreichen können, und für Menschen, die plötzlich Zugang zu einer Bank haben.“ BGS Smartcard kooperiert beispielsweise mit der größten indischen Privatbank ICICI in einem Mikrofinanzprojekt, in dem die Duet-Smartcards zum Einsatz kommen.

Auch für Stefanie Koch, CSR Verantwortliche bei Holcim, einem der weltweit führenden Zementhersteller mit Sitz in der Schweiz, ist Innovation der Schlüssel für erfolgreiches gesellschaftliches Engagement. Holcims Innovation: durch Low-Cost-Housing Projekte in ärmeren Märkten einen dauerhaften sozialen Impact zu erreichen und gleichzeitig dem Unternehmen neue Märkte und Kundengruppen zu erschließen. Die Erfahrungen aus den weltweiten Initiativen führen wiederum zu Produktinnovationen und neuem Wissen.

Zum Abschluss des Arbeitskreises sprach Søren Hvilshøj, Associate Market Director des weltweit tätigen dänischen Beratungs-
unternehmen Grontmij | Carl Bro
über Finanzierungsinstrumente, mit denen die staatliche Entwicklungszusammenarbeit die Privatwirtschaft bei der Armutsbekämpfung mit an Bord holen könne. Die in Alpbach angekündigte österreichische Entwicklungsbank wäre ein Angebot, eine heute bestehende Lücke zu schließen und neben entwicklungspolitisch wichtigen Impulsen in Entwicklungsländern auch der österreichischen Wirtschaft viel bringen. Dänemark ist einer der weltweit führenden Geberländer mit 0,8 Prozent des BNP. Österreich hat sich verpflichtet, bis 2015 0,7 Prozent zu erreichen. Das zusätzliche Geld, das die österreichische Entwicklungszusammen-
arbeit in den kommenden Jahren zu vergeben hat, könne auch in einen Ausbau der wirtschaftsnahen Entwicklungszusammenarbeit fließen.

Anlässlich der Reformgespräche in Alpbach hat ICEP ein >> corporAID Magazin Spezial herausgegeben.

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