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Mit 10 Euro können Sie die Welt retten – oder?
(ICEP Report 10, Juli 2004)


Wir wollen den zehnten ICEP-Report zum Anlass nehmen, um an einem konkreten Projekt die nachhaltige Wirksamkeit der ICEP-Projekte und die Crux von Spendenmehrwertrechnungen darzustellen.

Jemand, der für ein Entwicklungsprojekt spendet, tut das mit dem Herzen, wie man so sagt. Es wird aber immer auch der Wunsch mitschwingen, Menschen in den ärmsten Ländern der Welt nachhaltig zu helfen. Gespendet wird also mit Herz und Hirn!

Für Herz und Hirn

ICEP erachtet es als Herausforderung, diesen Auftrag der Spender in seiner Projektarbeit möglichst gut umzusetzen. Dabei ergeht an ICEP ein doppelter Auftrag: Zum einen möchte der Spender, dass seine Spende einen dauerhaften Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern leistet. Zum anderen interessiert den Spender auch der tatsächliche Spendenbedarf und Information darüber, wie seine Spende wirkt, welchen konkreten Mehrwert er mit seiner Spende erzielt. Und zwar am besten in der Form: „Mit 20 Euro ermöglichen Sie dies, mit 50 Euro ermöglichen Sie jenes.“

Dilemma

Die Forderungen nach Nachhaltigkeit und konkreter Spendenmehrwertrechnung sind allerdings geradezu unvereinbar. ICEPs Projekte sind dafür ein schönes Beispiel. Denn für ICEP stand die Nachhaltigkeit der Projekte immer im Vordergrund. Seien es nun Schulungs- und Berufsausbildungsprojekte oder Projekte, die Menschen helfen, unternehmerische Initiative zu entwickeln. Immer geht es um Empowerment, um Ermächtigung zu eigenständigem Handeln.

Am Beispiel Dorfbanken

Nehmen wir zum Beispiel das Dorfbankenprojekt, das ICEP von Oktober 2000 bis Dezember 2002 mit dem Partner FUNDAP in Guatemala umgesetzt hat. Laura Marina Gonzales war eine der 598 direkt Begünstigten. Sie erhielt einen Kredit über 90 Euro und dazu ein mehrmonatiges Coaching. Heute betreibt sie eine kleine Schweinezucht, hat den Kredit längst zurückgezahlt und schickt ihre Kinder zur Schule – Frau Gonzales hat erkannt, wie wichtig Ausbildung ist. Ein Erfolg, nur: Wie bewegt Frau Gonzales das Herz des Spenders? Welchen angreifbaren Betrag soll ICEP seinen Spendern nennen? Soll ICEP das Projektbudget von 231.000 Euro durch die 598 Frauen teilen, die bis Ende 2002 einen Kleinkredit erhielten? Oder besser durch die 778 Frauen, die es bis Ende 2003 waren? Oder durch die vielen hundert Frauen, die in den nächsten Jahren vom Kreditprogramm und den sich mittlerweile selbst erhaltenden Ausbildungsmöglichkeiten profitieren werden? Das Dorfbankenprojekt ist zu komplex für eine simple Spendenmehrwertrechnung.

ICEPs Zugang

ICEP investiert in die Zukunft von Menschen. Das bedeutet konkret, dass ICEP Projekte konzipiert und umsetzt, die vor Ort Strukturen schaffen, die ohne weitere finanzielle Unterstützung durch ICEP bestehen bleiben. Aus der Perspektive des Spendenmarketings kann ICEP vorgeworfen werden, sein Zugang sei zu abstrakt; die Menschen in Österreich könnten das Gefühl haben, mit einer großzügigen 50 Euro Spende für ICEP-Projekte nicht viel bewegen zu können, weil der konkrete Mehrwert nicht plastisch und angreifbar sei. Weil den 50 Euro nicht eine anschauliche Portion konkreter Hilfe gegenüberstünde. Weil es zuwenig für‘s Herz sei.

Nachhaltig spenden

Das große Herz seiner Spender setzt ICEP einfach voraus. ICEP kann informieren und überzeugen, Berichte und Anschauungsmaterial liefern. ICEPs Projekte sind für das Hirn von Menschen mit Herz. ICEP ist Mittler zwischen Spendern in Europa und Menschen in den Entwicklungsländern. Und ICEP fühlt sich verpflichtet, mit maximaler Professionalität und Effizienz zu arbeiten – Anforderungen, die von Anfang an die konkrete Arbeit bestimmt haben und in denen ICEP im Laufe der Jahre noch zugelegt hat. Effizient arbeiten bedeutet, Projekte umsetzen, die langfristig die Lebensbedingungen der Menschen in den Entwicklungsländern verbessern. Und das gelingt nicht, wenn man Laura Marina Gonzales 90 Euro schenkt. Das gelingt, wenn man eine Struktur schafft, die es Frau Gonza-les ermöglicht, selbst 90 Euro zu verdienen. Und nicht nur heute. Sondern auch in Zukunft. Und nicht nur für Frau Gonzales, sondern über viele Jahre auch für viele Andere.

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Der ICEP Report 10 zum Download
(284 kB) >>