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Sind 1000 Projekte genug?
(ICEP Report 4, Juni 2001)

Solidarität ist keine rechnerische Größe. Sie lebt aber nur im konkreten Beitrag. Und sie bewährt sich dann, wenn die Hilfe auch ankommt.

Im ICEP-Büro erhielten wir kürzlich – in Zusammenhang mit dem Ticketverkauf für das Benefizkonzert – folgende freundliche e-Mail von einer uns bislang unbekannten Dame. Sie schrieb: „Es gibt sicher tausend Projekte, die man unterstützen könnte und ich finde es gut, dass sich immer wieder Idealisten finden, die ihre Energie in irgendeiner Form in solche Unternehmungen investieren. Mein persönlicher Einsatz ist da eher bescheiden, aber wenn ich in Verbindung mit einer Eintrittskarte einen Beitrag leisten kann, tue ich das gerne. Zwar erreichen leider nicht alle Spendengelder ihr Ziel, aber in Ihrem Fall bin ich sicher, dass für die projektbezogene Verwendung Sorge getragen wird.“ Eine schöne e-Mail, über die wir uns sehr gefreut haben! Trotzdem erlauben wir uns einen Kommentar zu zwei darin enthaltenen sehr verbreiteten Sichtweisen: 1. In der Entwicklungsarbeit wird schon sehr viel getan, 2. Diejenigen, die sich engagieren, sind Idealisten.

Die Wirklichkeit ist anders
Aus der Nähe betrachtet trifft ersteres leider nicht ins Schwarze: Es wird noch viel zu wenig getan! Davon zeugt u. a. die Tatsache, dass das Außenministerium, selbst darum ringend, beim derzeitigen Sparkurs bei der Budgetkürzung die Schmerzstufe nicht allzu weit zu überschreiten, erst kürzlich eine Informationskampagne startete, um die Öffentlichkeit von der Wichtigkeit der Entwicklungsarbeit in Österreich zu überzeugen.
Die Meinung, Entwicklungsarbeit sei Betätigungsfeld für Idealisten, ist insofern etwas hinkend, als sie unter Umständen verdeckt, dass Entwicklungsorganisationen mit der selben Professionalität geführt werden müssen wie gewinnorientorierte Unternehmen. Allerdings arbeiten Entwicklungsorganisationen im Unterschied zu gewinnorientierten Unternehmen mit Spendengeldern. Und von diesen Spendengeldern, die in Folge einer mehr oder weniger großen Verzichtleistung zur Verfügung gestellt wurden, darf nur ein Minimum (bei ICEP: 6 %) für die eigene Verwaltung verwendet werden. Darauf pochen sowohl die öffentlichen wie auch die privaten Geber. Dass die Entwicklungsarbeit bei den knapp gehaltenen Ressourcen trotzdem ihr Ziel erreicht, wird vielfach nur durch die zusätzliche freiwillige Mithilfe großzügiger Personen möglich. Karitatives, unentgeltliches Engagement darf aber nicht in Amateurhaftigkeit enden.

Spenden beginnt im Kopf
Ziel von ICEP ist es, ausbildungsorientierte Projekte in den Entwicklungsländern zu verwirklichen. Finanzielle Grundlage dafür ist ein starkes Fundraising auch im privaten Sektor. Zum Fundraising wiederum gehört eine Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die eine Haltung des Verständnisses und der Offenheit für die Menschen in den Entwicklungsländern fördert; und darstellt, wie die Menschen dort ihr Land voran bringen möchten; und auch zu tatkräftiger Solidarität gegenüber so fernen Ländern wie Uganda oder Guatemala bewegt, ohne emotional zu vereinnahmen. Entwicklungspolitik wird dort wirklich bewusst, wo die Spende als konkreter Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände von Mitmenschen in Entwicklungsländern verstanden wird – und als ein solidarischer Akt, der als solcher vor allem den Spender selbst bereichert.

Wirksam spenden
Das Außenministerium unterstützt Projekte von Entwicklungs-NGOs nach eingehender Prüfung unter der Bedingung, dass die Projektträger für mindestens 25 Prozent der anfallenden Projektkosten selbst aufkommen. Durch diese Klausel potenziert das Außenministerium seine eigenen Mittel und umgekehrt auch jene des privaten Spenders, der eine zusätzliche Gewähr hat, dass es sich um ein begutachtetes, erfolgsversprechendes Projekt handelt, und weiß, dass für jeden für das Projekt aufgebrachten Schilling drei von der öffentlichen Hand hinzukommen. In diesem Sinn wird auch der Kauf einer Karte für ein Benefizkonzert weit über das Konzert hinaus wirksam.

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