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Warum Frauen-Projekte?
(ICEP Report 5, Dezember 2001)

Über die Lage der Frauen in den Entwicklungsländern sprach die Erste Botschaftssekretärin und Konsulin Evelin Fischer-Socher anlässlich des Abschlusses eines ICEP-Frauen-Projekts in Kenia.

„Empowerment für Frauen – eine der größten Herausforderungen der heutigen Welt“, eröffnete Evelin Fischer-Socher, Erste Sekretärin der österreichischen Botschaft in Kenia und Konsulin, ihr Statement vor kenianischen Studentinnen und geladenen Gästen im Fanusi Study Center in Nairobi – Anlass der Feier war der Abschluss des Ausbaus des Studentinnenzentrums und die damit verbundene Ausweitung der Projekttätigkeiten des engagierten Hauses.

Grobe Missverhältnisse
„Ohne die Bildung der Frauen, die das Rückgrat der kenianischen Gesellschaft sind, kann ein wirklicher Fortschritt weder gedacht werden noch stattfinden“, stellte die Österreicherin fest, um dann ihre persönlichen Beobachtungen mitzuteilen: „Es bricht einem das Herz, wenn man sieht, wie Frauen – auch hier in Nairobi – eine schwere Ladung Holz auf ihren Rücken tragen, während die Männer herumsitzen und reden und trinken und sich ausruhen. – Ich kann verstehen, dass in den ländlichen Gegenden traditionellerweise die Frauen die Gemüsegärten besorgen, die Felder abernten und den größten Teil der damit verbundenen physischen Arbeit erledigen. Doch andererseits erscheint es nicht fair, dass den Frauen in diesem Land die Hauptlast zufällt, um für den Lebensunterhalt zu sorgen. Das ist der Grund, weshalb die Bildung und Ausbildung der Frauen so wichtig ist.“

Weit verbreitetes Szenarium
Wenn man mit der Situation in Kenia nicht vertraut ist, könnte das wie ein feministisch- emanzipatorisch überzogenes Statement klingen. Das ist nicht der Fall. Vielmehr trifft zu, dass Frauen nicht nur in Kenia, sondern in vielen Entwicklungsländern benachteiligt und übermäßig belastet werden. Zwar gibt es laut einer kürzlich erschienenen Studie der Weltbank Anzeichen dafür, dass sich die Lage der Frauen in den letzten 25 Jahren verbessert hat: So habe sich der Zugang von Frauen zur Primärausbildung in manchen Gebieten der Erde zumindest verdoppelt, die Lebenserwartung der Frau in den Entwicklungsländern sei um 15 bis 20 Jahre gestiegen. Aber auch heute noch ist es in vielen dieser Länder so, dass sogar haushaltsvorstehende Frauen entweder über gar keinen Boden oder höchstens über kleine zerstückelte Teile verfügen; dass von Frauen geführte Unternehmen mit weniger Kapital ausgestattet sind als Unternehmen von Männern, weil Frauen viel schwerer Zugang zu Krediten finden; und Berufsausbildung ist in Entwicklungsländern oft allein den Männern vorbehalten, obgleich es umgekehrt in der Regel die Frauen sind, die letztlich für die Ernährung und Erziehung der Kinder sorgen.

Frauenprojekte haben Hebelwirkung
ICEP hat derzeit zwei große Frauenprojekte laufen: das Dorfbankenprojekt in Guatemala, das rund 800 Mayafrauen erreicht, und das Ausbildungszentrum Pearlcrest in Uganda, das langfristig ebenfalls hunderten Frauen verschiedenster Ethnien zugute kommen wird. Bei beiden Projekten geht es darum, Frauen durch entsprechende Ausbildung und Förderung berufliche Chancen und dadurch einen Weg aus der Armut zu eröffnen und ihre Selbstachtung zu stärken.

Umwandlung von innen
Bei Entwicklungsarbeit, die Frauen ins Zentrum stellt, ist die Kontinuität und der Multiplikatoreffekt gesichert. Durch ihre Stellung in der Familie bewirken Frauen eine positive Veränderung der Gesellschaft von innen, wenn sie die eigenen Fähigkeiten entdecken und Verantwortung übernehmen können. Dies zieht bald weitere Kreise: Es darf als erwiesen betrachtet werden – das unterstreicht auch die Weltbank –, dass Unter-ernährung und Sterblichkeit der Kinder umso niedriger, das Wirtschaftswachstum umso schneller, Wirtschaft und Politik umso transparenter, die Korruption umso geringer ist, je besser es mit der Ausbildung der Frau und ihrem Ansehen in der Gesellschaft steht.

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