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Entwicklung mit Würde
(ICEP Report 6, Juni
2002)
Über wichtige Prinzipien der Entwicklungsarbeit
sprach Ing. Jorge Gándara, GF der guatemaltekischen
Entwicklungsorganisation FUNDAP und ICEP-Partner, mit jungen
Österreichern.
„Es ist nicht genug, gute Ideen und
ein gutes Herz zu haben“, provozierte Ing. Jorge Gándara
die jungen Leute, die sich an einem regnerischen Abend Anfang
März im Café Korb zum Gespräch über
Entwicklungsarbeit eingefunden hatten: „Entwicklungsarbeit
verlangt ein hohes Ausmaß an Professionalität.
Auch in dem Sinn, dass wir davon leben müssen, auch
wenn man dabei nicht so viel verdient wie in der Wirtschaft
...“
Ein Blick auf die Erfolgsstory
Jorge Gándara, verheiratet, fünf Kinder,
ist seit 18 Jahren im Entwicklungssektor tätig. Der
gelernte Wasserbauingenieur war an der Errichtung der größten
Wasserkraftwerke Guatemalas beteiligt, bis er sich „aus
sehr persönlichen Gründen“ entschied, seine
Arbeit an den Nagel zu hängen und sich der Entwicklungsarbeit
zuzuwenden. Er überzeugte einen vermögenden Unternehmer,
für das Vorhaben ein Büro einzurichten, ein Jahr
lang Gehälter für zwei Personen zu bezahlen und
somit die Grundlage für die Entstehung von FUNDAP (Fundación
para el Desarrollo Integral de Programas Socioeconómicos)
zu legen. Mittlerweile beschäftigt FUNDAP 250 Angestellte,
verfügt über 35 Büros, arbeitet mit vielen
internationalen NGOs zusammen und betreute 2001 nicht weniger
als 37.000 Begünstigte. Der Grad der Selbsterhaltung
ist sehr hoch, finanzielle Unterstützung braucht FUNDAP
heute vor allem zur Ausweitung von bestehenden und zum Aufbau
neuer Projekte und Programme.
Die Achse, um die sich alles dreht
„Wir arbeiten wie jedes andere Unternehmen. Aber die
Entwicklungsarbeit ist schwieriger als die Arbeit in der
Industrie“, fordert Gándara seine Zuhörer
weiter heraus: „Denn bei uns geht es nicht um Produktion,
sondern darum, Leben zu ändern.“ Und: „In
unserer Arbeit geht es um Menschen. Daher brauchen unsere
Mitarbeiter eine hohe Sensibilität.“ Gándara,
der die Personal-auswahl bei FUNDAP selbst durchführt,
stellt daher niemanden ein, ohne seine familiären Verhältnisse
zu kennen: Nur wenn er davon überzeugt ist, dass der
potentielle Mit-arbeiter seine eigene Familie gut behandle,
könne er davon ausgehen, dass er auch mit fremden Menschen
gut umgehe.
Hier sollten die Besten arbeiten
Auf die Frage, woran Entwicklungsprojekte scheitern können,
antwortet Gándara: „Aus den gleichen Gründen
wie andere Unternehmen: wenn man Aktionen startet, für
die das Geld nicht reicht; wenn das berufliche Commitment
fehlt, ...“ Jemand anderer will wissen, wie er und
seine Mitarbeiter über längere Zeit hinweg motiviert
bleiben können. „Die Entwicklungsarbeit findet
kein Ende. Daher wird man müde“, gibt Gándara
zu und erklärt: „Aber es kommt ein Moment, da
man nicht mehr aus Enthusiasmus, sondern aus Pflicht arbeitet.“
Einige Mitarbeiter hätten ihn vor kurzem um ein Motivationsseminar
gebeten, holt er aus. Er sei mit ihnen dann zu einem Steinbruch
gefahren. Dort arbeiteten Kinder ... Mehr sei nicht notwendig
gewesen, um die Motivation wieder in die Höhe zu bringen.
„Entwicklungsarbeit ist Arbeit wie jede andere. Aber
hier sollten die Besten arbeiten“, fasst er zusammen.
Keine Politik …
„Wir werden von der Regierung oft mehr be-hindert
als gefördert“, erklärt Gándara,
auf sein Verhältnis zur Politik angesprochen, „denn
wir verbieten uns jede Einflussnahme von Politikern. Wir
empfangen keine Politiker, und wer bei FUNDAP arbeitet,
darf kein politisches Amt haben.“
… und keine Geschenke
An diesen Grundsätzen wird ebenso fest gehalten wie
am Prinzip, dass die Begünstigten für FUNDAP-Leistungen,
die sie in Anspruch nehmen, zumindest einen minimalen Beitrag
zahlen müssen: „Den Leuten etwas einfach zu schenken,
verstößt gegen ihre Würde“, ist Gándara
überzeugt. „Die Armut lässt sich wirksam
nur bekämpfen, wenn gleichzeitig die Freiheit und persönliche
Initiative der Begünstigten respektiert und gefördert
wird.“
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